Geschichte(n)
 

 

 

Die Zukunft des Fussballs ist weiblich

In den vergangenen 25 Jahren hat der Frauenfussball weltweit einen Boom erlebt. Dieser blieb aber nicht von Rückschlägen verschont. 2003 wurde beispielsweise die amerikanische Frauenfussball-Profiliga WUSA eingestellt. Im letzten Teil der Serie zum Zentenarium des Weltfussballverbandes befasst sich Andreas Herren, der Leiter der Fifa- Medienabteilung, mit den Frauen, die den Fussball auch für sich entdeckt haben.

«Gott schütze uns vor dem Frauenfussball», soll ein Verband aus Asien geantwortet haben, als die Fifa 1970 unter ihren Mitgliedern eine Umfrage zu diesem Thema durchführte. Der Aufschrei war symptomatisch für die damaligen Gegebenheiten. Von kickenden Frauen wollte (fast) niemand etwas wissen. Fussball schade dem weiblichen Körper, lautete eines der Ammenmärchen. Die englische Football Association, eine Männerbastion par excellence, hatte, wie im Buch «Fifa 1904-2004 - 100 Jahre Weltfussball» dargestellt, schon 1921 eine Bekanntmachung erlassen, die die vorherrschende Meinung klar unterstrich: «Es hat Beschwerden darüber gegeben, dass Frauen Fussball spielen. Der Vorstand sieht sich genötigt, seine Überzeugung, dass Fussball für Frauen gänzlich ungeeignet ist und nicht unterstützt werden sollte, deutlich zu äussern.»

Zaghafter Beginn in den Fabriken

Die Haltung der Engländer kam nicht von ungefähr. Der Erste Weltkrieg hatte die Männer des Empire in die Schützengräben und die Frauen in die Fabriken, vor allem zur Herstellung von Munition, getrieben. Als neue Freizeitbeschäftigung fand das Fussballspiel bei den «munitionettes», wie die Arbeiterinnen in der Rüstungsindustrie genannt wurden, sehr schnell grossen Anklang. Schon bald gab es nicht nur fabrikinterne Spiele, sondern Partien zwischen Stadtauswahlen oder Fabrikteams, die während des Krieges zu caritativen Zwecken gegeneinander antraten. 1921, während des Bergarbeiterstreiks, trugen junge Frauen in den Kohlerevieren Nordenglands Spiele aus, um Geld für die Streikkasse einzunehmen. Mit ihrer unnachgiebigen Haltung setzte die Football Association dem zaghaften Aufkommen dieser Fussballsparte indes ein vorübergehendes Ende. Regierung und Gesellschaft hatten die Frauen zu ihren Zwecken genutzt. Waren diese Ziele einmal erfüllt und die Männer wieder an ihren angestammten Plätzen, konnten auch die Frauen wieder zurück an den Herd geschickt werden.

Diese Anfänge zeigen exemplarisch auf, mit welchen Herausforderungen der Frauenfussball grundsätzlich konfrontiert ist. Die soziale Entwicklung und die Stellung der Frau in der jeweiligen Gesellschaft fördern oder verhindern eine sportliche Betätigung weitgehend. In Ländern, wo sich die Frauen nach dem Zweiten Weltkrieg mehr Gehör für ihre Anliegen zu verschaffen vermochten, entstanden auch die ersten Frauenfussballklubs und -organisationen, so vor allem in Skandinavien. In muslimischen Ländern hat der Frauenfussball nach wie vor einen schweren Stand, doch zeigen sich auch dort erste Fortschritte im Einklang mit der heute zu beobachtenden schrittweisen Liberalisierung zum Beispiel in einigen Golfstaaten.

Die Zukunft des Fussballs ist weiblich

In den vergangenen 25 Jahren hat der Frauenfussball weltweit einen Boom erlebt. Dieser blieb aber nicht von Rückschlägen verschont. 2003 wurde beispielsweise die amerikanische Frauenfussball-Profiliga WUSA eingestellt. Im letzten Teil der Serie zum Zentenarium des Weltfussballverbandes befasst sich Andreas Herren, der Leiter der Fifa- Medienabteilung, mit den Frauen, die den Fussball auch für sich entdeckt haben.

Die Fifa als treibende Kraft

Die Fifa tat sich mit dem Frauenfussball lange schwer. Wie eingangs geschildert, führte der Weltfussballverband 1970 eine Umfrage durch, liess das Thema dann aber wieder geflissentlich ruhen. 1976 wurde die Fifa durch eine Initiative der Asian Ladies Football Confederation aufgeschreckt, die eine Frauenfussball-WM durchführen wollte. Aber erst ein Jahrzehnt später raffte sich die Fifa nach einer Initiative der norwegischen Delegierten Ellen Wille zur Schaffung einer Fachkommission und zum Versprechen auf, innert nützlicher Frist eine WM auszurichten. Einem Testlauf 1988 folgte 1991 in Südchina die erste offizielle Fifa-Frauenfussball-Weltmeisterschaft, die seither alle vier Jahre und mit grossem Erfolg (vor allem die beiden letzten Turniere 1999 und 2003 in den USA) ausgetragen wird.

Waren es in den achtziger Jahren die nationalen und kontinentalen Verbände, vor allem die Uefa, die Pionierleistungen erbrachten, ist heute die Fifa dank ihrem Präsidenten Joseph Blatter im Frauenfussball die treibende Kraft. Wie bei den Männern setzt der Weltfussballverband auf die Universalisierung dieser Sparte, so durch die Einführung neuer Wettbewerbe und durch gezielte Entwicklungsbemühungen in Form von speziellen Lehrgängen. Im Rahmen des finanziellen Unterstützungsprogramms, mit dem jeder Verband pro Jahr 250 000 Dollar erhält, schreibt die Fifa zudem vor, dass zehn Prozent dieser Mittel ausschliesslich für die Förderung des Frauenfussballs einzusetzen sind. Damit sollen nach und nach die Strukturen für einen geregelten Spielbetrieb und den Unterhalt von Nationalteams geschaffen werden. Seit 1996 ist der Frauenfussball Teil der Olympischen Sommerspiele, seit 2002 richtet der Weltverband auch eine U-19-Weltmeisterschaft aus. Ebenfalls ist die Schaffung einer U-17-WM ein Thema.

Bezüglich Sponsoring geht die Fifa überdies neue Wege. Wurden bisher einem Sponsor der Männer-WM im gleichen Paket die Rechte für alle übrigen Fifa-Turniere, einschliesslich der Frauen-Weltmeisterschaften, offeriert, sollen in Zukunft individuelle Angebote ermöglicht werden. Denn in der Vergangenheit kamen Abschlüsse mit Firmen, deren Zielgruppen Frauen sind, häufig deshalb nicht zustande, weil die Exklusivrechte der bei den Männern engagierten Sponsoren tangiert wurden. Umgekehrt setzten die Partner ihr Marketingbudget für die Positionierung im Rahmen der «grossen» Fussball-WM ein und verfügten, wenn überhaupt, nur noch über beschränkte Mittel für ein zusätzliches Engagement bei den Frauen.

Nationalmannschaften im Vordergrund

Wo steht der Frauenfussball heute? Gemäss Fifa-Erhebungen sind weltweit über 30 Millionen Frauen und Mädchen aktiv. Auf der Plusseite kann weiter verbucht werden, dass 117 Verbände mit ihren Frauennationalteams auf der Weltrangliste geführt werden und dass dank dem intensivierten Spielbetrieb das Niveau - mit einer breiteren Basis als vor 25 Jahren und einer starken Spitze - deutlich gestiegen ist. Olympiasieger USA, Weltmeister Deutschland sowie Norwegen und Brasilien sind die Top Four, an denen bis jetzt niemand vorbeikommt. In technischer Hinsicht hat der Frauenfussball in den vergangenen zehn Jahren neue Dimensionen erreicht. Dies zeigt sich auf allen Stufen, am eindrücklichsten war es im Endspiel des Olympiaturniers zwischen den USA und Brasilien oder an der U-19-WM im Gruppenspiel zwischen Deutschland und Kanada. Die Zeiten, als noch ein paar Patzer in der Abwehrkette den gesamten Verlauf einer Partie auf den Kopf stellen und ein Spiel entscheiden konnten, sind endgültig vorbei.

Die Basis liefert einen steten Nachschub an Talenten. Mia Hamm, die Ikone und erster internationaler Star des Frauenfussballs, absolvierte am 8. Dezember beim 5:0 der USA gegen Mexiko in Carson ihr letztes Länderspiel. Doch ihre Nachfolgerin Abby Wambach hat sich bereits etabliert. Europa beziehungsweise Deutschland stellt mit Birgit Prinz die gegenwärtig kompletteste Spielerin, die 2003 und 2004 zur Weltspielerin gewählt wurde. Schlagzeilen mit dem Nationalteam machte zudem die Brasilianerin Marta, die dieses Jahr in Schweden auf Klubebene bei Umea IK überzeugte. Der Umstand, dass eine der besten Spielerinnen zwar in einem bekannten Verein spielt, aber am Polarkreis, wirft wiederum ein Schlaglicht auf ein Grundproblem im Frauenfussball. Auf Klubebene ist keine vergleichbare Entwicklung wie im Männerfussball im Gang. Die amerikanische Profiliga WUSA, in der viele der Topspielerinnen der USA und aus dem Ausland engagiert waren, wurde 2003 wenige Tage vor Beginn der WM in den USA eingestellt.

Auch in den klassischen Fussballländern fristen die Frauen noch immer ein Mauerblümchendasein. Sie stehen, abgesehen von Vorspielen zum Pokal- oder Cup-Final wie in Deutschland oder der Schweiz, kaum je im Rampenlicht. Daher kommt den Nationalteams als Triebfeder grosse Bedeutung zu. Diesem Faktor schenkt die Fifa besondere Beachtung. Für die Frauen ist ein Rahmenterminkalender in Ausarbeitung, der auf den wichtigsten Turnieren der Nationalequipen wie WM und Olympia, aber auch dem Algarve-Cup in Portugal aufbaut. Auf Fifa-Ebene durchläuft der Frauenfussball die Entwicklungsstadien des Männerspiels quasi in einem Zeitraffer. Das Potenzial für noch mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung ist vorhanden. Mitentscheidend für die weitere Entwicklung des Frauenfussballs wird jedoch auch sein, dass sich die Spielerinnen zu Werbeträgerinnen und ihre Spiele zu Quotenrennern entwickeln. Trifft dies ein, wird die Zukunft des Fussballs, wie Joseph Blatter seit langem voraussagt, in der Tat weiblich sein.

 

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Die Hälfte vom Ball für die Frauen!

Frauensport Fußball

Schon vor 800 Jahren kickten die Frauen aber die Männer haben sie immer wieder vom Platz geschickt. Die Geschichte einer alten-neuen Liebe.

Die Geschichte des Frauenfußballs ist verlorengegangen, nur Spuren gibt es von den Anfängen und der frühen Entwicklung dieses Sports. Denn zu allen Zeiten wurde Frauenfußball von Männern kleingehalten, zeitweise sogar verboten, immer aber belächelt. Obgleich der Ursprung des heutigen Männersports Fußball eigentlich auch Frauensache war.

Im Frankreich des 12. Jahrhunderts beteiligten sich wackere Bauersfrauen an dem Volkssport la soule, dem Vorläufer des modernen Fußballs. Auf Abbildungen sieht man sie gegen einen mit Schleifchen verzierten Ball treten. Auch Eskimo-Frauen haben nachweislich an fußballähnlichen Spielen teilgenommen.

In Deutschland finden sich erste Hinweise auf fußballspielende Frauen erst um 1900, allerdings kickten sich die Frauen brav im Kreis aufgestellt den Ball gegenseitig zu. Und schon diese harmlose gymnastische Übung war zu den damaligen Zeiten moralisch kaum vertretbar. Spreiz- und Grätschbewegungen sowie Hiebe und Stöße der Beine galten als indecent. Begründet wurde das damit, dass durch Springen und Beinspreizen die weiblichen Sexualorgane aus ihrer Lage gebracht werden könnten eine Mär, die sich bis zur offiziellen Anerkennung des Frauenfußballs in Deutschland gehalten hat.

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Zu einem Wettkampfsport wurde Fußball erst mit der Vereinheitlichung der Regeln im Jahre 1863 und fortan auch bei Frauen zunehmend beliebter. Denn die wüsten Ausschreitungen des ehemals sehr harten Kampfspiels wurden verboten, und so konnten an den englischen Schulen auch die Mädchen erfolgreich mitmischen. Die Vorhaltungen ihrer Lehrerinnen (völlig unpassend für Frauen) schlugen sie in den Wind.

Nettie Honeyball gründete 1894 das erste englische Frauenfußballteam, die British Ladies. 10.000 Zuschauer sahen im Jahr darauf das erste Match, England-Süd gegen England-Nord. Ergebnis: 1:7. Der damalige Zeitungschronist zeigte sich allerdings nur von der sportlichen Tracht der Fußballpionierinnen beeindruckt natürlich im negativen Sinne: Eine oder zwei trugen einen kurzen Rock über ihren Knickerbockern, aber das störte eher das angenehme Gesamtbild der Kleidung. Denn der Rock wehte im Wind hin und her, und so wirkten die Bewegungen weniger graziös.

In diesem Punkt hat sich beim Frauenfußball in den vergangen 100 Jahren offensichtlich wenig getan: Noch heute zerbricht sich Kaiser Franz Beckenbauer den Kopf darüber, warum die Fußballerinnen sich nicht ein bisschen netter kleiden: Ein Designer sollt mal weiblichere Trikots für die Ladies entwerfen. Nicht so flattrig, dafür ein bisschen sexy.

Mit Hütchen und im schlankmachenden Längsstreifentrikot gingen Englands erste Fußballerinnen auf den Platz. Ladies Football wurde in den 20er Jahren auf der Insel zu einer massenwirksamen Publikumsattraktion. Zu wohltätigen Zwecken für verwundete Kriegsheimkehrer und bedürftige Familien veranstalteten Firmenteams wie die Dick Kerrs Ladies landesweite Frauenfußballturniere.

Innerhalb nur weniger Jahre hatten sich in ganz England Frauenfußballteams gegründet, eine bis heute einzigartige Hochzeit des Frauenfußballs war angebrochen. Williamson: Anfang 1921 war es, als ob ein Frauenfußball-Fieber das ganze Land ergriffen hätte. Jedes größere Dorf hatten nun ein eigenes Frauenteam, in den Städten vor allem im Norden gab es sogar mehrere gleichzeitig. 1920 folgten 53.000 (!) zahlende ZuschauerInnen der Spitzenbegegnung zwischen den Dick Kerrs Ladies und deren einzig ernstzunehmenden Konkurrenten St. Helens Ladies in Everton.

Ebenfalls in den Nachkriegsjahren hatten sich in Frankreich vereinzelt Frauenfußballteams etabliert und so kam es 1920 sogar zu einem ersten internationalen Vergleich. Die Dick Kerrs Ladies schlugen Femina Paris mit 2:1: In charmanter französischer Art wurde der Sieger gefeiert, die englische Spielführerin wurde von Mademoiselle Braquemond, der französischen Kapitänin, geküsst.

Doch die Frauenfußball-Blütezeit währte nur kurz. Man(n) einigte sich darauf, dass der Fußballsport eigentlich gänzlich unpassend für Frauen ist und nicht gefördert werden sollte. Das Verbot folgte auf dem Fuße und hielt die darauffolgenden 50 Jahre an.

Auch die deutschen Sportorganisationen bekleckerten sich in der Frage der Gleichbehandlung von Frauen nicht gerade mit Ruhm. Die Turnvereine akzeptieren Anfang des Jahrhunderts die Frau nur in ihrer traditionellen Rolle sie hatte so ehrenvolle Aufgaben wie das Bekränzen der Sieger oder das Besticken der Vereinsfahne. Die vielen sportbegeisterten Frauen fingen deshalb an, sich in selbständigen Vereinen zu organisieren: Unter der Leitung von Turnlehrerinnen erlernten sie Hockey, Radfahren, Leichtathletik und auch ein fußballähnliches Spiel.

Die ersten Spuren originärer Frauenfußball-Teams in Deutschland finden sich in den 20er Jahren. Die Frauenrechtlerinnen und der Krieg hatten den Frauen den Zugang zum öffentlichen Leben und damit auch zu der damals auflebenden Massenbegeisterung für den Sport möglich gemacht. Das Sportgirl wurde zum modischen Frauentyp. Lieselott Diem: Wir trauten uns alles zu sogar Gewichtheben und Stabhochsprung.

Doch diese sportliche Sturm- und Drangzeit währte nur kurz. Mit erhobenem Zeigefinger warnten die Gynäkologen vor der drohenden Vermännlichung von Sportlerinnen, die ihrer eigentlichen Bestimmung des Mutterwerdens auf kurz oder lang nicht mehr gerecht werden könnten. Die Zeitschrift Leibesübung 1926: Der Kampf gebührt dem Mann, der Natur des Weibes ist er wesensfremd. Natürlich zählte Fußball fortan nicht mehr zu den von Frauen auszuübenden Sportarten und wurde später von den Nationalsozialisten sofort verboten.

Der Gewinn der Weltmeisterschaft der Männer-Nationalmannschaft 1954 löste in Deutschland einen Fußball-Boom aus, der auch an den Frauen nicht spurlos vorüberging. Auf Privatinitiative gründeten sich etliche Frauenteams, so dass man sich im Deutschen Fußball-Bund (DFB) mit der unliebsamen Frage beschäftigen musste, ob die Frauen in den Verband zu integrieren seien. Nach reiflicher Diskussion in den Gremien kam man zu dem rühmlichen Ergebnis, die Bildung von Damenteams fortan zu untersagen und die Zuwiderhandlung unter Strafe zu stellen.

Doch trotz aller Widerstände breitete sich Frauenfußball im ganzen Lande aus, selbst die Gründung eines eigenen Frauenfußball-Verbands wurde in den 60er Jahren diskutiert. Mit abstrusen pseudo-wissenschaftlichen Argumenten (Das Treten ist wohl spezifisch männlich & Jedenfalls ist das Nichttreten weiblich.) formierte sich zwar die männliche Gegnerschaft, aber die Entwicklung war nicht mehr aufzuhalten. In Dänemark, Holland und der Tschechoslowakei hatte sich Frauenfußball bereits etablieren können und war jetzt auf dem Weg, eine international anerkannte Sportart zu werden.

Sparta Prag zum Beispiel, gründete 1968 das erste tschechische Frauenfußballteam. Für die deutschen Spielerinnen blieb das nicht ohne Folgen. In Sachsen sind die Tschechinnen über die Grenze gekommen und haben dort gekickt, erzählt der Frauenfußball-Experte Rainer Hennies, auf diese Weise ist im Prinzip der DDR-Frauenfußball entstanden.

Ende der 60er Jahre wurden auch in Deutschland-West die ersten Frauenfußball-Teams gegründet.

Offiziell aber war in beiden Teilen Deutschlands die Beteiligung von Frauen am Fußballspiel noch immer verboten. Interessanterweise aber ließ man sie in den dienenden Funktionen beim Spiel zu: Sie durften zwar nicht mitspielen, aber Schiedsrichterinnen waren beim Fußball jetzt erlaubt.

Schließlich gab man auch beim Deutschen Fußball-Bund, den Widerstand gegen die fußballspielenden Frauen auf. In Travemünde wurde am 30. Oktober 1970 die Mitgliedschaft des Frauenfußballs im DFB beschlossen und die Durchführung eines ordentlichen Spielbetriebs den Landesverbänden unterstellt. Nicht jedoch, ohne einige besonders unsinnige Regeln aufzustellen: Frauen sollten aufgrund ihrer schwächlichen Natur eine halbjährige Winterpause einhalten, Stollenschuhe wurden wegen ihrer Gefährlichkeit verboten und gespielt mit kleinen Bällen. Selbst über die Verkleinerung des Tores wurde laut nachgedacht. Fazit: Noch in den 90er Jahren spielten die ach so konditionsschwachen Frauen pro Halbzeit fünf Minuten kürzer als die Männer.

Einmal zugelassen, boomte der Frauenfußball in Deutschland. Die Kickerinnen stürmten die Vereine. Schon im Jahr eins nach der offiziellen Anerkennung gab es 1.110 Frauen-Teams, bis 1982 hatte sich diese Zahl bereits verdreifacht.

Heute ist Frauenfußball ein anerkannter Wettkampfsport in dieser Saison wurde die eingleisige erste Bundesliga eingeführt und damit der Grundstein zu einer späteren Professionalisierung gelegt.

Dass heute niemand mehr wagt, fußballspielende Frauen öffentlich lächerlich zu machen, haben die Frauen nur sich selbst zu verdanken. Wie sagte Monika Koch-Emsermann, als alle Welt das silberne Jubiläum des Frauenfußballs im DFB feierte: 25 Jahre Mitgliedschaft im DFB das sind 25 Jahre Widerstand!

Beate Fechtig

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Die Geschichte des Frauenfußballs in Deutschland
(siehe www.dfb.de)

Die fußballspielenden Frauen und Mädchen feierten im Jahr 2000 ein Jubiläum: 1970, 30 Jahren zuvor, nahm der DFB-Bundestag die Förderung des Frauenfußballs als Aufgabe des DFB in seine Satzung auf und gab damit grünes Licht für eine großartige Entwicklung, an deren Spitze die Nationalmannschaft steht.

Nach 1989, 1991, 1995 und 1997 gelang am 7. Juli 2001 durch einen 1:0-Finalsieg gegen Schweden in Ulm zum fünften Mal der Gewinn der Europameisterschaft. Bei der Weltmeisterschaft 1995 hatte die die DFB-Auswahl den zweiten Platz belegt. Im Finale von Stockholm gewann Norwegen mit 2:0. Am 13. Oktober 2003 war es dann soweit: Die Frauen-Nationalmannschaft holte erstmals den Weltmeisterschafts-Titel durch einen 2:1-Erfolg im Finale gegen Schweden. Das WM-Silber 1995 wurde zudem garniert durch die direkte Qualifikation für die Premiere des olympischen Fußball-Turniers 1996 in Atlanta. Frauen-Fußball: einst belächelt, nun olympisch. Und das mit Erfolg für Deutschland, wie auch der Gewinn der Bronze-Medaille bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney und den Olympischen Spielen 2004 in Athen zeigt.

Mit zwei Namen sind die Erfolge und der stetige Fortschritt untrennbar verbunden. DFB-Trainer Gero Bisanz betreute die Nationalmannschaft seit ihrem ersten internationalen Auftritt im Jahr 1982 bis zum leider nicht von einem Medaillen-Gewinn gekrönten Olympia-Auftritt 1996 und wurde anschließend von Tina Theune-Meyer abgelöst. Ihre Assistentin Silvia Neid war ebenfalls ununterbrochen dabei und trug 111 Mal das DFB-Trikot.

So selbstverständlich, wie heutzutage von Frauen und Mädchen Fußball gespielt wird, so verpönt war diese Freizeitbeschäftigung viele Jahre. Lange dauerte der dornenreiche Weg zur öffentlichen Anerkennung. Vorbei ist die graue Vorzeit, als einem Frauen-Fußballspiel die Jahrmarkt-Atmosphäre angehängt wurde. Das tragende Element ist einfach der Spaß am Fußballspiel, die Ernsthaftigkeit, es möglichst perfekt zu beherrschen, die Lust, auf diesem sportlichen Weg die Kräfte und das Können zu messen. Der Frauen-Fußball ist ein integraler Bestandteil unserer Gesellschaft, sofern sie sich mit dem Sport identifiziert. Er hat seinen Platz ehrenhaft und überzeugend erkämpft. Wer beispielsweise an die großen Erfolge der Nationalmannschaft denkt, weiß um die hochentwickelte Leistungsfähigkeit und dürfte auch einen Eindruck über die davon ausgehende Attraktivität gewonnen haben.

Auf nationaler Ebene darf die Einführung der eingleisigen Bundesliga zur Saison 1997/98 für die Konzentration der Kräfte als weiterer Schritt in die richtige Richtung angesehen werden, nachdem es die Bundesliga seit 1991 zunächst in zwei Gruppen (Nord und Süd) gegeben hatte. Seit 1993 gilt bei den Frauen auch die gewohnte Spielzeit von zweimal 45 Minuten - früher waren es insgesamt zehn Minuten weniger gewesen. 857.220 Mitglieder im DFB sind nach der letzten Statistik (2004) weiblichen Geschlechts. Frauen-Fußball - wahrlich stärker, als man(n) gemeinhin denkt.

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