Die kleine Doris

Am 25. Oktober 1968 erblickte ich mitten in der Flowerpower-Zeit das Licht der Welt. Wenn ich mich selbst auch heute noch als Landei bezeichne, dann ist das eher untertrieben. Aufgewachsen bin ich nämlich auf dem elterlichen Bauernhof in dem 15-Seelen-Dorf (!) Osenhorst. Schon in sehr jungen Jahren begann ich auf unserem Hof mit dem Fußballspielen. Im Alter von neun Jahren wurde Fritz Rathjen, der Trainer der neugegründeten Mädchenmannschaft des FC Hesedorf, auf mich aufmerksam. Da weder meine beiden Schwestern noch meine Eltern meine Begeisterung für Fußball teilten, kostete es schon ein wenig Überzeugungsarbeit, bis sie mir zumindest vorerst die Erlaubnis dafür gaben.

Mein erster Ballkontakt  Mein erster Schultag  

Nach einigen Niederlagen zum Auftakt meiner Karriere ließ das erste große Erfolgserlebnis nicht lange auf sich warten. Da es in unserer noch jungen Mannschaft bis dahin noch keiner Spielerin gelungen war ein Tor zu schießen, setzte der Trainer eine Torprämie von 2 DM (!) aus. Dies war für uns Anreiz genug unseren ersten Sieg einzufahren. Und das gleich mit 2:0 wobei ich das allererste Tor erzielte und somit bereits im Alter von neun Jahren mein erstes Geld mit dem Fußballspielen verdiente.

Zuhause auf "meinem" Fussballplatz  Trainer Fritz Rathjen

Wir gewannen in den folgenden Jahren mit der Mädchenmannschaft mehrmals die Bezirksmeisterschaft, bevor sich die Damen- und Mädchenabteilung FC Hesedorf dem TuS Westerholz anschloss. 

 

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Die etwas grössere Doris


Seit 1982 wurde ich auch in der Damen-Mannschaft eingesetzt. Wir schafften einen glatten "Durchmarsch" von der Kreis- bis in die Landesliga und gewannen mehrere Meisterschaften und Pokale. 

Bezirkspokalsieger mit dem TuS Westerholz (ca. 1983)

Ich durchlief derweil alle Auswahlmannschaften von der Kreis- bis zur Landesauswahl bevor ich 1986 zum ersten Mal für Deutschland spielte. Genau am 4. Oktober 1986 im EM-Qualifikationsspiel gegen Dänemark in Bergisch-Gladbach. Obwohl ich Neuling war und zugleich der Youngster gehörte ich zur ersten Elf und erzielte prompt nach neun Minuten mein erstes Länderspieltor. Am Ende gewannen wir durch ein weiteres Tor von Petra Bartelmann mit 2:0.

Mein 1. Länderspiel 1986 in Bergisch-Gladbach gegen Dänemark (2:0)

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" Doris allein Zuhaus' "

Höhepunkte
Nach meinem Abitur wechselte ich 1988 zum VfR Eintracht Wolfsburg. Zum ersten mal wohnte ich nun allein! Natürlich war mit dem Wechsel auch ein Job im VW-Werk verbunden. Hier machte ich zunächst ein Praktikum, bevor ich eine Ausbildung zur Industriekauffrau begann und 1991 auch erfolgreich abschloss. Mit dem VfR Eintracht Wolfsburg holte ich im Norden mehrere Titel und schaffte 1990 die Qualifikation für die neugegründete Frauenfußball-Bundesliga.

Der größte Triumph während dieser Zeit war aber der Gewinn der Europameisterschaft 1989. Das dramatische Halbfinale in Siegen gegen Italien und das unvergessene Finale im restlos ausverkauften Osnabrücker „Stadion an der Bremer Brücke“, das wir mit 4:1 gegen den Favoriten Norwegen gewannen (siehe unter Highlights). Damit verbunden waren die ersten Fernsehauftritte und ein herzlicher Empfang in meiner Heimat Osenhorst und beim TuS Elsdorf. Wenige Monate später wurden wir bei der ersten offiziellen Frauenfußball-Weltmeisterschaft Vierter. Dort lernte ich auch Fußball-Star Pele kennen. 

Silvia Neid und ich mit Pele bei der WM in China

Zwei Jahre später verteidigten wir den EM-Titel bei der EM in Dänemark. Nach vier Jahren in der Volkswagenstadt wechselte ich in die Frauenfussball-Hochburg Siegen. Hier begann ich mein BWL-Studium und meinen Job im Blumengroßhandel Gerhard Neuser, der zugleich mein Trainer war. Später arbeitete ich als freie Mitarbeiterin in der Sportredaktion des WDR-Regionalstudios Südwestfalen.

Fußballerisch feierte ich hier meine ersten nationalen Titel. 1992 Supercup, 1993 DFB-Pokal im Elfmeterkrimi gegen Grün-Weiss Brauweiler und Länderpokal mit Westfalen gegen Hessen. Ausserdem wurden wir nach einer 2:1 Finalniederlage gegen den TuS Niederkirchen Deutscher Vizemeister. 1994 gewann ich dann endlich meine erste Deutsche Meisterschaft. Mit 1:0 gegen Brauweiler, die das Pokalendspiel zwei Wochen zuvor noch mit 2:1 gegen uns gewonnen hatten. Der langjährige Erfolgscoach Gerhard Neuser wurde als Trainer von  Dieter Richard abgelöst. 

Deutsche Meisterschaft 1994

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Tiefpunkt

Dann kam das bitterste Jahr meiner Karriere. Im Januar 1995 zog ich mir beim Hallenturnier in Siegen einen Kreuzbandriss zu. Sechs Monate Pause! Und das ausgerechnet im EM- und WM-Jahr. So konnte sowohl das EM-Endspiel in Kaiserlautern gegen Schweden (3:2-Sieg) als auch die WM nur von der Tribüne aus verfolgen. Es war eine bittere, aber im nachhinein sehr wertvolle Erfahrung, plötzlich nicht mehr dabei zu sein. 

Wenigsten der Heilungsprozess in meinem Knie verlief optimal, so dass ich nach sechsmonatiger Pause zu neuen Saison wieder voll einsteigen konnte und mir auch sofort wieder meinen Stammplatz in der Nationalelf sicherte. Im September 1995 bestritt ich beim 3:0 Sieg in Helsinki gegen Finnland mein 75. Länderspiel und erhielt dafür vom DFB den obligatorischen goldenen Ring.

1996 feierte ich mit dem TSV Siegen meinen zweiten Deutschen Meistertitel. Dann ging es zu den Olympischen Spielen nach Atlanta. Wir spielten nicht besonders erfolgreich und so kam schon nach der Vorrunde das "Aus". Trotzdem war Olympia eines der beeindruckendsten und schönsten Erlebnisse in meinem Leben.

Olympia-Outfit 1996  "Partnerlook"

Ab der darauf folgenden Saison spielte ich bei der SG Praunheim-Frankfurt, womit auch ein halbes Jahr später der Umzug in die Main-Metropole verbunden war. Mein Studium hatte ich inzwischen abgebrochen und stattdessen die Fachschule für Wirtschaft in Frankfurt besucht. Mit der SG Praunheim-Frankfurt konnte ich abgesehen von drei Hallentiteln keinen Titel gewinnen. Erst seitdem wir uns am 1.1.1999 zum 1. FFC Frankfurt verselbstständigten spielen wir richtig erfolgreich. Wir gewannen prompt das Double und in diesem Jahr die Vizemeisterschaft und den DFB-Pokal. Anschließend drückte ich noch für ein paar Wochen die Schulbank und machte meine Fußballlehrer-Lizenz.

Drei neue Fussballlehrer: Bettina Wiegmann, Stefan Kuntz und ich

Und dann folgte das große Erlebnis Olympia 2000 in Sydney. Nach einer mühevollen von Verletzungssorgen geprägte Vorbereitung schafften wir am Ende überglücklich den Sprung auf das Siegertreppchen und holten die Bronzemedaille.

Die Olympischen Spiele haben wegen der vielen Verletzungsprobleme sehr viel Energie gekostet und waren trotzdem am Ende eines der schönsten Erlebnisse in meiner Karriere. Ich habe in dieser Zeit mit dem Gedanken gespielt danach aufzuhören. Doch dann kam alles anders. Noch in Sydney erreichte mich ein Anruf aus den USA und das Angebot im Jahr 2001 in der neuen Profiliga "WUSA" zu spielen. Das war natürlich eine große Verlockung. Ich hatte schon lange davon geträumt im Ausland Fußball zu spielen. In früheren Jahren hatte ich Angebote aus Italien und Japan ausgeschlagen. Aber jetzt war genau der richtige Zeitpunkt, um zum Abschluss meiner Karriere diesen Traum wahr zu machen.

 

   

 

In dieser Zeit wurde dann auch noch die Europameisterschaft 2001 nach Deutschland vergeben, was dann ein weiterer Grund war, die Saison noch dranzuhängen.

Darüber, dass mein Club in den USA "Philadelphia Charge" sein sollte war ich zunächst nicht besonders glücklich. Ich wusste kaum wo Philadelphia liegt. Im Nachhinein war dies aber ein Glücksfall. Ich hatte eine tolle Mannschaft und mit Mark Krikorian und der schwedischen Co-Trainerin Pia Sundhage ein klasse Trainergespann .

Am Ende erreichten wir Platz 4. Mehr als alle von dieser Mannschaft erwartet hatten. Es war eine tolle Zeit, mit vielen schönen und aufregenden Erlebnissen.

Zwischendurch flog ich aber zurück in die Heimat, um an der Europameisterschaft teilzunehmen. Ausverkaufte Stadien, spannende Spiele und ein "Golden Goal" durch Claudia Müller (Wolfsburg) zum 1:0 im Finale gegen Schweden bereiteten mir einen perfekten Abschied aus der Nationalmannschaft. Nach 144 Länderspielen war Schluss.

Danach flog ich wieder zurück nach Philadelphia, wo meine Karriere wenige Wochen später im Heimspiel gegen "New York Power" abrupt endete. Nach einem Kopfballduell landete ich aus luftiger Höhe so unglücklich, dass mein Handgelenk brach. Doppelt. Damit war die Saison und damit meiner aktive Fußballkarriere beendet.

* * *

Dem Fußball bin ich natürlich auch danach treu geblieben. Seit 2001 arbeite ich beim Deutschen Fußball-Bund als Sponsoring Managerin.

Von 2001 bis 2005 kommentierte ich die Frauen-Länderspiele als "ARD-Expertin".

Als Mitinitiatorin der Stiftung Jugendfußball und dem Projekt fussballD21.de engagiere ich mich dafür, Kinder und Jugendliche  zu motivieren, nicht mehr nur "in der Stube hocken" sondern sich wieder mehr zu bewegen. Nach dem Motto: Raus und Spielen!

Seit 2002 bin ich zudem Repräsentantin der SMOG e.V (Schule machen ohne Gewalt) und Toleranzbotschafterin für Ballance 2006.

Außerdem bin ich seit 2003 Mitglied im FIFA Fußball Komitee. Übrigens zusammen mit Pelé, Beckenbauer, Sir Bobby Charlton, Michel Platini ...
 

    

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